Altenstädter Gesellschaft für Geschichte und Kultur e.V.
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Bericht über die Tagesfahrt an die Nahe am Samstag, 25. Mai 2013 Motto: „Auf den Spuren der Hl. Hildegard von Bingen“ Schon lange Zeit vor dem Ausflugstermin war die Reise komplett ausgebucht. Die Wetterprognosen für den Samstag, 25. Mai waren die Tage zuvor katastrophal: Regenrisiko 88 %. Mit Bangen haben die Ausflügler somit den Samstag erwartet und waren angenehm überrascht, dass der Blick am Morgen aus dem Fenster einen sonnigen Tag verhieß. Um 8.30 Uhr waren schließlich alle im neuen und bequemen 32-er Bus der Firma Pfannmüller und die Reise konnte beginnen. Kurz vor 10 Uhr erreichten wir die erste Station, die Rochuskapelle in Bingen. Wo uns die Stadtführerin, Frau Blaschke, schon erwartete. Die Rochuskapelle ist ein schon von weitem sichtbares Wahrzeichen der Stadt Bingen. Die ursprüngliche Kapelle wurde Mitte des 17. Jahrhunderts von den Bürgern der Stadt nach einer schrecklichen Beulenpest - Epidemie, bei welcher 50% der Bevölkerung zu Tode kamen, als Dank an den Patron der Pestkranken, den hl. Rochus erbaut. Mehrfach wurde die Kapelle im Lauf der Jahre durch französische Truppen zerstört, niedergebrannt und jeweils wieder aufgebaut. 1889 schlägt der Blitz ein, als die Kapelle gerade wieder restauriert wurde. Die heutige, neogotische Kirche im spätgotischen Stil, wurde nach dieser letzten Katastrophe erbaut. Sie ist ein beliebtes Wallfahrtsziel und beherbergt einige Sehens- würdigkeiten, die im Zusammenhang mit der hl. Hildegard stehen. Leider war für uns der Zugang ins Innere der Kapelle nicht möglich, da gerade eine Brautmesse stattfand. Der folgende Besuch galt der „Burg Klopp“ (Klopp ist keltischen Ursprungs und bedeutet „Fels“) Die Burg wurde im 13. Jahrhundert von einem Mainzer Erzbischof errichtet zur Sicherung des Ehrenfelser Rheinzolls. Sie steht hoch über der Stadt auf einem Felsen und bietet einen herrlichen Blick über Bingen, das Rheinknie, den Mäuseturm und die Burgruine Ehrenfels auf der anderen Rheinseite. Seit Ende des 19. Jahrhunderts beherbergt die Burg die Stadtverwaltung von Bingen und ist Sitz des Oberbürgermeisters. Über einen recht langen Treppenabgang gelangten wir hinunter in die Altstadt, wo gerade ein Markt abgehalten wurde. Die Basilika St. Martin blickt auf Ursprünge im 5. Und 6. Jahrhundert zurück. Im Jahre 1006 wurde sie zur Stiftskirche. Nach dem Stadtbrand von 1403 wurde das Mittelschiff neu errichtet, die Seitenschiffe entstanden erst später, deren nördlicher Teil um 1502-05 jedoch durch eine doppelschiffige Halle mit Sterngewölbe ersetzt wurde. Dieser sog. Barbarabau diente als Pfarrkirche, währen das Hauptschiff den Stiftsherrn vorbehalten war. 1930, anlässlich eines Gedenkjahres für die hl. Hildegard, wurde die Kirche von Papst Pius XI. zur „Basilika - Minor“ erhoben. 1944 zerstörten Bomben das Gewölbe des Hauptschiffes und einen Teil des Hochaltars. Heute erstrahlt das Gotteshaus wieder in voller Schönheit. Nach dieser hervorragenden und mit viel Detailwissen angereicherten Führung war eine Pause in örtlichen Cafés angesagt. Um 12.15 war der nächste Treffpunkt im „Historischen Museum am Strom – Hildegard von Bingen“ vorgegeben. Dieses Museum hat mehrere Abteilungen, die sich mit der Geschichte der Stadt von der Steinzeit über die Römerzeit bis ins Mittelalter und die frühe Neuzeit beschäftigen. Die Hauptabteilung ist aber der hl. Hildegard gewidmet, in welcher ihr gesamter Lebensweg und Ihre einmaligen und vielseitigen Werke bildlich und plastisch dargestellt und erläutert werden. Auch ein „Hildegarten“ ist neben dem Museum angelegt, der die Naturkunde Hildegards mit allen Sinnen erleben lässt. Herr Zimmermann, ein Kunsthistoriker, führte unsere Gruppe. Wir sahen die modellhaften Rekonstruktionen der Klöster in denen Hildegard wirkte. Hildegard lebte von 1098 bis 1179. Im Alter von 8 Jahren wurde sie in die Klosterschule der Frauenklause von Disibodenberg in die Obhut der Äbtissin Jutta gebracht. Nach dem Tod von Jutta wurde sie selbst als Äbtissin gewählt. Im Kloster lebten überwiegend Nonnen aus begüterten adligen Häusern. Um 1150 verließ Hildegard mit 20 Gefährtinnen die Frauenklause am Kloster Disibodenberg, nachdem ihr Erstlingswerk „Liber Scivias“ um 1147 große Bekanntheit erlangt hatte. Sie gründete nun ihr erstes eigenes Kloster am Ruppertsberg in Bingen. Es entstand dabei eine neue umfangreiche Klosteranlage. In den 30 Jahren, in denen Hildegard im Kloster Ruppertsberg wirkte, entstanden ihre Hauptwerke. Sie nahmen von dort aus ihren Weg in die weite Welt. Im 30- jährigen Krieg wurde das Kloster zerstört. Die Schwestern, Teile des Inventars und die Reliquien Hildegards fanden Aufnahme in ihrer zweiten Klostergründung Eibingen bei Rüdesheim. Die beiden Klöster Disibodenberg und Ruppertsberg waren im Modell großartig nachgebaut. Ein weiters Modell zeigte die Klosterruinen auf dem Disibodenberg, wie sie heute dort zu sehen sind. Der Führer, Herr Zimmermann, erzählte uns den gesamten Lebenslauf der erst vor kurzem heilig gesprochenen Hildegard. Mit diesem Wissen gestärkt bestiegen wir unseren Bus der uns ca. 40 km flussaufwärts im Nahetal nach Disibodenberg brachte. Eine weitere Führerin, Frau Diener, die unterwegs zustieg, berichtete uns schon während der Fahrt weitere Details über die Klosteranlage und über Hildegard. Der gesamte Disibodenberg ist in privater Hand und wird von der Scivias - Stiftung betreut. Ein recht steiler Aufstieg von Busparkplatz zu den Ruinen brachte die Gruppe etwas außer Atem. Die Ruine liegt in einer beeindruckenden Waldlandschaft. Anhand eines rekonstruierten Lageplans, der in Kopie verteilt wurde, führte uns Frau Diener durch die gesamte Anlage. Man hätte viel mehr Zeit benötigt, um das alles intensiver aufnehmen und genießen können. Der Zeitplan war schon etwas überzogen und der Führer am nächsten Besichtigungsort wartete schon. Auf halbem Weg zurück in Richtung Bingen erreichten wir das pittoreske Städtchen Münster am Stein-Ebernburg. Am Berghang, oberhalb von Ebernburg, steht ein auf der Welt einmaliges Museum, das „Steinskulpturenmuseum“ der Fondation Kubach-Wilmsen. Für den Bau dieses Museums konnten die Steinbildhauer Anna und Wolfgang Kubach-Wilmsen den weltbekannten japanischen Architekten Tadao Ando aus Osaka begeistern. Sein Entwurf für das Museumsgebäude baut auf einer historischen Fachwerkscheune aus dem 18. Jahrhundert auf und umgibt sie mit zwei Museumshöfen. Im Jahr 2010 eröffnet, liegt es an hervorragender Stelle mit Blick auf die Weinlandschaft, auf den Rotenfelsen, die Ebernburg und die Burg Rheingrafenstein. Die international zu Berühmtheit gelangten Bildhauer haben edles Steinmaterial aus allen Kontinenten bearbeitet. Entstanden sind dabei in der Regel in Stein gehauene Bücher aller Größenordnungen, vom kleinen Taschenbuch bis zu tonnenschweren Exemplaren. Unser Führer, Herr Holzhausen, hat selbst die ganze Entstehung samt ihrer Vorgeschichte erlebt und uns in etwa eineinhalb Stunden einen lebendigen Vortrag über die Museumsgeschichte und der ausgestellten Exponate erleben lassen. Mit großer Aufmerksamkeit lauschten wir seinen Ausführungen und bestaunten die steinernen Büchertürme und die anderen farbenreichen Kunstwerke. Nach dieser Führung teilte sich unsere Gruppe auf in Spaziergänger mit Ziel Ebernburg und der dortigen lobenswerten Burggaststätte und in die Teilnehmer der Weinprobe mit Winzervesper im nahe gelegenen Weingut Rapp. Beide Gruppen waren nach dem Ende der Veranstaltungen voll des Lobes. Der Wein und das Vesper haben hervorragend gemundet. Etliche Teilnehmer orderten noch Wein zur Anlieferung. Um 20 Uhr war es endlich so weit, dass wir die Heimfahrt antreten konnten – zwei Stunden später als geplant. Die Torstände der ersten Halbzeit des Championsleage - Finales aus Wembley erfuhren wir noch im Bus. Erste Regentropfen bescherte uns der Himmel erst wieder kurz vor Altenstadt, wo wir alle gegen 21.30 Uhr frohgemut und zufrieden ankamen. Altenstadt, den 28.Mai 2013 August Trützler