Altenstädter Gesellschaft für Geschichte und Kultur e.V.
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SYNTHESE zwischen Musik und Raum – Bezaubernde Klänge in der Lindheimer Ganerbenkirche. Unter dem Motto „PRINCIPE und PRINCIPESSA“ veranstaltete die Altenstädter Gesellschaft für Geschichte und Kultur am Sonntag, den 25. März, in der Lindheimer Kirche ein hochkarätiges Kammerkonzert mit Werken für Flöte und Laute am Berliner und Bayreuther Hof zur Zeit Friedrich des Großen, dem frühen 18. Jahrhundert. Das Konzert diente gleichzeitig dem Gedenken an den 300. Geburtstag Friedrichs II. Der Vorsitzende der Gesellschaft, Herr Dr. Peter Bernard begrüßte mit herzlichen Worten die erwartungsvollen Zuhörer und die beiden Spitzenmusiker des DUO MIGNARDA, Frau Sabine Dreier an der Traversflöte und Herrn Johannes Vogt mit seiner Barocklaute. Frau Dreier, gebürtige Frankfurterin, hat in umfangreichen und vielseitigen Studien bei namhaften Lehrern im In- und Ausland ihr Können perfektioniert. Johannes Vogt, in Bochum geboren, machte seine ersten musikalischen Erfahrungen mit der elektrischen Gitarre, ehe er klassische Gitarre, Laute und Musikwissenschaft in Heidelberg studierte. Das Konzert begann mit der Sonate in G-Dur von Ernst Gottlieb Baron (1696-1760), der als Lautenist im Hoforchester Friedrich II. musizierte. Durch die wundervollen, harmonischen Klänge von Flöte und Laute, unterstützt durch die gute Akustik des stilvollen Kirchenraumes, konnten sich die Zuhörer in eine Musikdarbietung der Barockzeit zurück versetzt fühlen. Es folgte ein Solostück für Barocklaute, die Sonate in D-moll, des Musikers und Komponisten Adam Falckenhagen (1697- 1764) mit dem Johannes Vogt seine ganze Virtuosität an diesem Instrument zeigte. Falckenhagen war als Lautenist in Bayreuth als Hofmusiker tätig und musizierte in dieser Eigenschaft mit Gräfin Wilhelmine, der Schwester Friedrich II. Vor Beginn der Solosonate stellte Herr Vogt dieses heute selten gespielte Instrument und seine Funktionsweise den Zuhörern vor. Die Entwicklung der Form der später so genannten Barocklaute begann um das Jahr 1600. Die in dieser Zeit sich ändernde Musikauffassung mit der Einführung des Generalbasses hat dazu geführt, die ursprüngliche Laute um eine Reihe von Basssaiten zu ergänzen. Dies bedingte eine enorme Verlängerung des Instrumentenhalses, um die tiefen Töne der zusätzlichen Saiten erklingen zu lassen. Die Basssaiten sind nach der Tonleiter gestimmt und müssen daher umgestimmt werden, wenn das nachfolgende Stück in einer anderen Tonart geschrieben ist. Frau Dreier ergänzte die musikalischen Darbietungen um wissenswerte Erläuterungen zu den einzelnen Musikwerken und deren Komponisten, sowie zu Zeit, Umständen und Zusammenhängen ihrer Entstehung. So nannte zum Beispiel Friedrich in den Briefen an seine Schwester seine Flöte liebevoll „Principessa“ und diese ihre Laute „Principe“. Frau Dreier erklärte auch die im Barock gebräuchlichen Querflöten, die aus Holz, aber auch aus Elfenbein hergestellt wurden. Den Abschluss des ersten Konzertteils bildete eine Komposition Friedrichs des Großen (1712-1786), dessen musikalisches Wirken hauptsächlich in seine Zeit als Kronprinz fällt. Seiner musikalischen Leidenschaft musste er zum Teil heimlich nachgehen, da sein strenger Vater, Friedrich I., für seine musischen Aktivitäten keinerlei Verständnis hatte und ihm diese sogar verbot. Die vollendet komponierte Sonate wurde, wie auch alle weiten Stücke mit souveräner Leichtigkeit präsentiert und erfreute so die Herzen der Zuhörer. Nach der Konzertpause spielten die Musiker zunächst eine Komposition von Markgräfin Wilhelmine, die den anderen Kompositionen in ihrer Vollkommenheit keineswegs nachstand. Leider sind die meisten Werke Wilhelmines verschollen. Das hier gespielte Stück wurde erst 2002 entdeckt. Es folgte eine Sonate des Komponisten Jakob Friedrich Kleinknecht (1722-1794), der als Flötist unter anderem an den Höfen in Bayreuth und Ansbach musizierte. Danach begeisterte Frau Dreier die Zuhörer mit einem souverän vorgetragenen, stimmungsvollen Solostück für Flöte, der Fantasie in D-Dur des Komponisten Johann Joachim Quantz (1697-1773). Quantz, in Dresden tätig, wurde oft an den Berliner Hof gerufen, um Friedrich II. Flötenunterricht zu erteilen. Als letzter Programmpunkt erklang eine Sonate in D-Dur von Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788), dem bedeutendsten der so genannten Bachsöhne. Er war als Cembalist in die Kapelle des preußischen Kronprinzen Friedrich nach Ruppin berufen worden. Als die letzten Töne verklungen waren, zeigte der lang anhaltende Applaus die Begeisterung und den Dank der Konzertgäste für die einzigartigen Darbietungen der beiden Künstler, die sich noch zu einer Zugabe bewegen ließen. Mit einem prächtigen Blumenstrauß dankte Herr Dr. Bernard den Künstlern. Nach diesem gelungenen Auftakt möchte die Altenstädter Gesellschaft ein solches Frühjahrskonzert im schönen Ambiente der Evangelischen Kirche Lindheim als festen Bestandteil in ihr Jahresprogramms aufnehmen. Altenstadt, den 26.03.2012 – August Trützler