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ALBRECHT DÜRER – vom Goldschmied zum Alleskönner Ein Bericht über den Museumsbesuch am Sonntag, 19. Januar 2014 Lange Menschenschlangen standen am vergangenen Sonntag, wie fast jedem Tag, vor der Kasse des Städelmuseums in Frankfurt. Diese Schlange musste die Besuchergruppe der Altenstädter Gesellschaft für Geschichte und Kultur jedoch nicht erschrecken, da für sie eine Gruppenführung gebucht war und sie somit das Museum direkt ansteuern konnte. Die Nachfrage interessierter Besucher seitens der Mitglieder und von Gästen für den Besuch der Dürer-Ausstellung war so groß, dass neben der ersten Führung um 11 Uhr eine zweite Führung am frühen Nachmittag dazugebucht werden musste. Die Ausstellung zeigte neben einer großen Anzahl von Werken Dürers im Kontext dazu auch Werke berühmter Zeitgenossen. Der Kunsthistoriker Pascal Heß, den Mitgliedern der Gesellschaft von früheren exzellenten Vorträgen bestens bekannt, führte beide Gruppen schwerpunktmäßig durch die Ausstellung. Am Freitag zuvor gab Herr Heß als Vorbereitung zum Ausstellungsbesuch in der gut besuchten Begegnungsstätte der kath. Kirche in Altenstadt bereits einen Einführungsvortrag. Hier berichtete er mit bildlicher Unterstützung ausführlich über die wesentlichen Stationen des Lebens der Ausnahmepersönlichkeit Dürer und seines künstlerischen Schaffens. Albrecht Dürer wurde am 21.05.1471 in Nürnberg geboren. Sein Vater, aus Ungarn zugewandert, hatte dort eine Goldschmiedewerkstatt. Schon in jungen Jahren offenbarte sich das künstlerische Talent Dürers und er erlernte bei seinem Vater zunächst das Goldschmiedehandwerk. Bald zeigte sich jedoch, dass seine besonderen Fähigkeiten auf dem Gebiet des Zeichnens, der Malerei und darüber hinaus zu finden waren. In den Jahren 1486 bis 1490 arbeitete er in der Werkstatt des Malers und Zeichners Michael Wohlgemut. 1490 ging Dürer auf eine vierjährige Wanderschaft nach Colmar, Basel und Straßburg. Er hoffte dort den Maler Martin Schongauer zu treffen, der ihn sehr beeindruckt hatte, jedoch kurz zuvor verstorben war. Dürers Werke zeigten zu dieser Zeit, dass sein Malstil sehr von den altniederländischen Meistern beeinflusst war. (Campin, Van Eyck, Roger van der Weiden). Sein unvergleichliches Können erstreckte sich über viele Medienbereiche. Er war zum Beispiel ein Pionier der Druckgrafik. Viele Drucke seiner Holzschnitte und Kupferstiche sind weltweit bekannt. Dürer vereinigte in seiner Person vor allem vier herausragende Eigenschaften, seinen Ehrgeiz immer der Beste zu sein, sein unternehmerisches Geschick seine Werke zu vermarkten, seine erstmalige Idee sich ein Markenzeichen, sein Signum mit den verschlungenen Buchstaben „AD“ zu schaffen, das alle seine Werke kennzeichnete und das durch kaiserliche Anordnung gegen Nachahmer geschützt war, sowie die Fähigkeit, als unabhängiger Maler und Graphiker für allerhöchste Persönlichkeiten, wie Kaiser Maximilian I, Werke zu schaffen, die Weltruhm erlangten. Das unternehmerische Geschick Dürers zeigte sich erstmals im Alter von 24 Jahren, als er sein Druckwerk, die „Apokalypse“ schuf. Dieses Werk fand breite Nachfrage infolge der herrschenden Endzeitstimmung, da für das Jahr 1500 das Ende der Welt prophezeit war. In einem Buch mit 15 Holzschnitten illustrierte Dürer die Geschehnisse. Es war für ihn ein „Bombengeschäft“. Im Jahr 1494 heiratete Dürer seine Frau Agnes, geborene Frey. Auch seine beiden Reisen nach Italien und die nach Holland wurden ausführlich behandelt. Auf seiner ersten Italienreise (1494-1495), zu der er kurz nach seiner Hochzeit aufbrach, hat Dürer eine Reihe von Zeichnungen und Landschaftsaquarellen geschaffen, die in ihrer Art als die ersten realistischen Landschaftsdarstellungen auf der Welt angesehen werden. Dürers zweite Italienreise zwischen 1506 und 1508 führte ihn nach Venedig, wo er insbesondere mit dem berühmten Maler Giovanni Bellini zusammentraf. Zwischen 1507 und 1511 entstand im Auftrag des Patriziers Jakob Heller für die Dominikanerkirche in Frankfurt der „Heller - Altar“, dessen Hauptteil etwa 100 Jahre später einem Brand zum Opfer fiel und durch eine Anfang des 17. Jahrhunderts von dem Maler Harrich angefertigte Kopie ersetzt wird. Die Einzelteile des Altars sind über mehrere Orte verstreut und in der Ausstellung erstmals wieder gemeinsam zu sehen. Die berühmte Dürer- Zeichnung der „Betenden Hände“ sind kein eigenständiges werk, sondern eine Detail- Vorzeichnung für diesen Helleraltar. Heller-Altar (Rekonstruktion) Quelle: Wikipedia Seine gemeinsam mit seiner Frau unternommene Reise nach Aachen und in die Niederlande im Jahr 1520 hatte einen rein pragmatischen Grund. Er wollte sich die ihm vom inzwischen verstorbenen Kaiser Maximilian I. jährlich gezahlte Rente von 300 Gulden, von seinem Nachfolger, Kaiser Karl V. bestätigen lassen und ihn als Mäzen gewinnen. Dessen Krönung fand zu dieser Zeit in Aachen statt. In den Niederlanden, wohin ihm sein Ruf voraus geeilt war, wurde er mit großer Begeisterung empfangen. Die Stadt Antwerpen bot ihm sogar Haus und Salär an, um ihn zum Bleiben zu bewegen. Er jedoch kehrte 1521 nach Nürnberg zurück. Eine Reihe von Selbstportraits, die als Zeichnung oder als Gemälde insbesondere in seiner ersten Lebenshälfte entstanden, zeigen Dürer jeweils als selbstbewusste Person. Diese Portraits dienten seiner Imagepflege und standen nie zum Verkauf an. So war Dürer schon zu seinen Lebzeiten über die Grenzen hinaus bekannt und berühmt. Neben seinem malerischen und graphischen Werk befasste sich Dürer auch mit Proportionsstudien des menschlichen Körpers und verfasste gegen Ende seines Schaffens mehrere kunsttheoretische Bücher. Dürer pflegte auch Kontakt mit bekannten Künstlerkollegen seiner Zeit, von denen einige, wie Hans Baldung Grien, zeitweise sogar in seiner Werkstatt mitarbeiteten. Im Jahr 1526 schuf er noch das Hauptwerk seiner letzten Schaffensperiode, die beiden Bildtafeln mit der überlebensgroßen Darstellung der Vier Apostel, die in der Alten Pinakothek in München zu bewundern sind. Nach dem plötzlichen Tod Dürers am 6. April 1528 infolge einer Malariaerkrankung gab es keinen Künstler von hervorragendem Format, der in seine Fußstapfen hätte treten und seine Werkstatt hätte fortführen können. Dürer selbst hatte keine Nachkommen. Seine Ehefrau hatte ihn in seinen Geschäften kräftig unterstützt. So löste sich das Ganze danach in Wohlgefallen auf. Sein Lebenswerk jedoch war wegweisend für viele nachfolgende Künstlergenerationen. Altenstadt, 21.01.2014 – August TRÜTZLER